Schutz vor Missbrauch von Drohnen durch Detektion und Abwehr – ein Interview mit Christian Janke.

Schutz vor Missbrauch – ein Interview mit Christian Janke.

Christian Janke ist Mitglied im Team des European Aviation Security Center e.V., einem herstellerunabhängigen Forschungszentrum für Luftsicherheit in Europa.

3dc5f46Herr Janke, warum ist das Thema Missbrauch von Drohnen und auch deren Detektion und Abwehr so wichtig?

Christian Janke: Unbemannte fliegende Systeme gibt es seit vielen Jahrzehnten, nur nannte man sie früher C-Flugzeuge oder Modellhubschrauber. Durch zwei Innovationen haben sich die Geräte allerdings seit einigen Jahren geändert. Durch neuartige Technologien aus dem Handy-Bereich (Lagesensoren, höhere Rechnerkapazität auf kleinstem Raum) sind die neuen UAS sehr einfach zu bedienen und zu steuern. Man braucht kein langes Training mehr dafür. Weiterhin trägt fast jede Drohne heute eine Kamera, was völlig neue Szenarien aufwirft.

Wie jede neue Technik bergen auch unbemannte fliegende Systeme die Möglichkeit des Missbrauchs. Deshalb sind diese aber nicht per se schlecht oder gefährlich. Man sollte nur wissen, welche neuen Möglichkeiten potentielle Täter nun haben und darauf vorbereitet sein.

Und nicht immer muss der Missbrauch ja auch beabsichtigt sein. Der unbedarfte Hobbypilot kann auch durch fehlerhaftes Verhalten gefährlich sein. Zukünftige Unfälle mit Sach- und Personenschaden, z.B. beim Einsatz in Städten, sind nicht auszuschließen. Weiterhin erschwert die fehlende Dokumentation und Regulierung eine Haftung, sowohl zivil- als auch strafrechtlich.

Die Gefahr durch Drohnen scheint sehr groß zu werden. Wie gravierend schätzen Sie die Gefahr für die Wirtschaft und Behörden ein?

Christian Janke: Gefahren im Voraus zu bestimmen ist nie einfach. Man denkt an mögliche Szenarien und schätzt deren Schadenshöhe und Auswirkung ein. Die Eintrittswahrscheinlichkeit wiederum basiert meist auf historischen Daten. Das ist hier schwierig, weil es noch keine Referenz-Ereignisse gibt.

Ihr Vortragstitel „Schutz vor Missbrauch von Drohnen durch Detektion und Abwehr“ weist ja schon auf die Gefahren und einen möglichen Missbrauch hin. Wo liegt Ihrer Meinung nach die Gefahr des Missbrauchs?

Christian Janke: Es gibt grundsätzlich drei Bereiche in denen Missbrauch eine Rolle spielen könnte. Im privaten Bereich kann es zum Eindringen in den räumlich- gegenständlichen Bereich der privaten Lebensgestaltung Dritter (Persönlichkeit, Urheber) kommen, wohingegen im kommerziellen Bereich eher Industriespionage eine Rolle spielt. Auch die Fragen von neuer Kriminalität könnten aufkommen, Verbringung von Schmuggelware, Drogenkurierdienst oder dem Einbringung von Gegenständen in Sicherheitsbereiche. Leider könnten die Geräte auch ein Werkzeug des Terrorismus werden.

Dennoch muss ich auch an dieser Stelle auf die grundsätzliche Neutralität der Geräte hinweisen. Diese Technologien bedeuten auch enorme Chancen in der Wertschöpfung für innovative Geschäftsmodelle und für sehr sinnvolle Anwendungsszenarien.

Mit welchen Herausforderungen sehen Sie Behörden und Unternehmen konfrontiert, wenn Sie an den Missbrauch und die Gefahren der Technologie denken?

Christian Janke: Es wird von entscheidender Bedeutung sein, auf behördlicher Seite über den neuesten Stand der Technik informiert zu sein.

Zum Abschluss: Welche Erwartungen haben Sie an die UASympEx?

Christian Janke: Eine Vernetzung der interessierten Kreise ist immer sinnvoll. Daraus können sich Geschäftspartnerschaften oder neue Kontakte für Forschungsprojekte ergeben. Weiterhin sollten Ressourcen gebündelt und Redundanzen abgebaut werden. Das Thema der unbemannten Systeme ist so neu, dass fast jede Wissenschaftsdisziplin vor neuen Fragen steht. Nicht nur die klassischen Ingenieurfachgebiete sind hier gefragt, sondern auch die Kollegen in den rechtlichen, philosophischen, soziologischen und betriebswirtschaftlichen Bereichen.

Herr Janke, vielen Dank für diesen ersten Vorgeschmack. Wir sind bereits sehr gespannt auf die UASympEx und den regen Austausch zu diesem so wichtigen Thema.

Seien Sie dabei, wenn wir mit Christian Janke und weiteren Experten über Sicherheit und Integration von Drohnen diskutieren!


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