FAA denkt über Lockerung der Sichtflugregeln nach

Die US-Luftfahrtbehörde FAA ist derzeit mit Herstellern und Dienstleistern im Gespräch, um testweise einen Einsatz von Drohnen außerhalb der Sichtweite des Steuerers zuzulassen. Bisher war ein solcher Einsatz nicht möglich. Besonders die großen Logistikunternehmen wie Amazon oder UPS und FedEx sind allerdings an dieser Lockerung sehr interessiert.

Partnerschaften prägen die Entwicklung

Die potenzielle Partnerschaft zwischen der Federal Aviation Administration und der Industrie wäre ein Meilenstein in der Entwicklung von unbemannten Flugzeugen, die für eine Vielzahl von Anwendungen, wie eben die Auslieferung von Paketen, die Überwachung oder Inspektion verwendet werden könnte.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese Testphase durch die FAA in den nächsten Jahren zu regulativen Grundlagen wird. Da der amerikanische Markt dem deutschen ca. 7-10 Jahre voraus ist, wird auch diese Regelung früher oder später bei uns einschlagen.

Nachdem die FAA mit ihren im Februar veröffentlichten Regeln für den Einsatz kleiner unbemannter Luftfahrzeuge die kommerzielle Nutzung maßgeblich eingeschränkt hatte, waren vor allem für Logistikunternehmen die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich nahezu eingestellt worden. Amazon wich daraufhin auf andere Länder aus, um die Entwicklung der letzten Phase der logistischen Kette zu neuer Innovation zu verhelfen.

Einzelfallentscheidungen vs. Allgemeine Erlaubnis

Bisher hat die FAA in Form von Ausnahmen und vor allem im Einzelfall über den kommerziellen Einsatz von Drohnen entschieden. Außerhalb der Sichtlinie des Bedieners war ein Einsatz unmöglich. Diese Lockerung könnte der Durchbruch für den kommerziellen Einsatz bedeuten.

Ein Einsatz jenseits der Sichtweite könnte in Zukunft durch Kamerasysteme, sogenannte detect-and-avoid Systeme und vor allem effektive Luftraumordnung stattfinden. Dabei kommt einem effektiven UAS-Management eine massiv erhöhte Bedeutung zu. Die FAA wird dies vor genau die selben Probleme stellen wie auch die Luftfahrtbehörden hier. Nicht vorhandenes Management und zu wenig Personal.

So ist weder in den USA noch in Deutschland ein flächendeckendes und einheitliches UAS-Management eingeführt. Eine politische Bearbeitung dieser Zukunftsthematik ist derzeit in deutschen Parlamenten weder auf Landes- noch auf Bundesebene zu finden. Ganz anders in den USA. Dort ist der Druck der Unternehmen und des Kongresses der Ausschlag gebende Impuls gewesen. Das dortige Argument ist so klar wie einsichtig: Eine Nichtbetrachtung dieser Möglichkeit hätte über kurz oder lang das Sterben der kommerziellen Nutzung zur Folge.

Eine FAA-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme zwar ab, es ist allerdings wahrscheinlich, dass besonders in dünn besiedelten Gegenden eine Lockerung der Regeln umgesetzt wird. Maßgeblichen Anteil am Umdenken der Politik und der FAA hatte in den USA nicht, wie man glauben könnte, der Dachverband der UAS-Hersteller, sondern die sogenannte small-UAV coalition, ein Zusammenschluss mehrerer großer Unternehmen und vor allem der Dienstleister in den USA.

Bereits jetzt ist abzusehen, dass es in Deutschland ähnliche Entwicklungen geben wird. Widerstand kann durchaus erwartet werden. So glauben immer noch viele Deutsche, das Drohnen nur schlecht sind, weil sie sofort mit dem Drohnen-Krieg der Amerikaner in Verbindung gebracht werden. Großer Widerstand ist ebenfalls von den Piloten zu erwarten, die bekanntermaßen und vor allem nachvollziehbar ein Problem mit der Entwicklung haben. Wir würden uns vermutlich alle unwohl fühlen am Anfang.

Aber taten wir das nicht auch in Bezug auf das Internet?


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